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Der Mann, der Weltmeisterin wurde

Als Frau gefeiert, als Mann schikaniert: Erik Schinegger gewann 1966 Gold in der Abfahrt – als Erika. 

Erik Schinegger, heute 71, hat seine Männlichkeit oft übertrieben zur Schau gestellt. Foto: Andreas Hochgerner

Philipp RindlisbacherAgsdorfABO+19:44

Sie wurde gefeiert und beschenkt und geliebt, er wurde geächtet, beraubt, gemobbt. Sie war die Beste, er war ein Niemand. Aber sie war gefangen in einem Käfig von Unsicherheit, Unvollkommenheit und Unverständnis. Er hingegen war endlich frei.

Erika Schinegger vor Olympia in Grenoble 1968. Foto: Getty Images

Erik Schinegger ist der Mann, der Weltmeisterin wurde. Es ist der Titel einer furchtbar grauenhaften und doch auch kitschig schönen Lebensgeschichte. 1966 im chilenischen Portillo holte Schinegger als Erika Gold in der Abfahrt, sie wurde verehrt, Zigtausende jubelten ihr zu, weil der Skisport in Österreich noch viel grösser war, als er es heute ist.

Keiner ahnte, dass im Fräulein ein Bub schlummerte mit deformierten, im Bauch versteckten Penis und Hoden. Ein Bub, der durch die Hölle ging, sich in den Sport flüchtete und dank diesem sein Leben ertrug. Nun sitzt Erik Schinegger am Tisch daheim in Kärnten nahe der slowenischen Grenze. Er erzählt Verblüffendes, schonungslos offen, mit schwarzem Humor. Einmal sagt er: «Mein Leidensweg reicht für zwei Leben.» Für Erika. Und Erik.

Tragödie um Tragödie

Erika Schinegger kam 1948 zur Welt. Die Hebamme soll irritiert gewesen sein und das Mädchen mehrmals untersucht haben. Ein Leistenbruch könne vorliegen, meinte sie, Zweifel am Geschlecht hatte sie offenbar keine. Die Familie lebte im österreichischen Agsdorf auf einem Bauernhof; es entwickelte sich ein Mädchen mit harten Zügen, das es auch mit älteren Burschen aufnahm.

Es trug Rock und Kittel, aber es wuchs kein Busen, die Regelblutung blieb aus. Schinegger hielt sich für abnormal, sie litt und frass den Kummer in sich hinein. Sie hielt sich für lesbisch, weil Frauen sie faszinierten. Einmal bot sie einer Freundin fünf Schilling, ­damit sich diese vor ihr auszog. Schinegger erzählt, wie fuchsteufelswild sie war, weil es zu Weihnachten Puppen gab, obwohl sie sich einen Traktor gewünscht hatte. «Irgendwann haute ich den Puppen den Kopf ab.»

Die Strasse war vereist, aber sie nahm den Fuss nicht vom Gas. Sie fuhr, bis es knallte.
Erst mit 10 erhielt sie das erste Paar Ski, mit 13 fuhr sie ihr erstes Rennen. Die Eltern waren Cousin und Cousine, und vielleicht spielte das verwandtschaftliche Nahverhältnis keine unwesentliche Rolle im familiären Drama.

 

Da war Erika respektive Erik mit erwähnten Missbildungen. Da war ein Bruder, der nach der Geburt verstarb. Da war Schwester Herma, die wegen ihrer Diabetes erst ein Bein und später ihr Leben verlor. Und da war Schwester Anneliese, die früh erblindete. Nur Erika war daheim, als sich ein Speckknorpel in Annelieses Luftröhre verkeilte, das Mädchen auf brutalste Art und Weise erstickte. Sie verstarb in Erikas Armen.

Diese fand Halt im Sport. Auf den Ski waren Sorgen und Ängste, Zweifel und Unsicherheit weit weg. Es war nicht wie in der Schule, wo sie gemobbt wurde. Sie musste sich nicht verbiegen, um akzeptiert zu werden. Schinegger hatte gar Sex mit Männern. «Es war eine Tortur», sagt er heute.

Eine Liste mit Sexpartnern

Die Erfolge sorgten für Ablenkung. Schinegger gewann nicht nur Gold in Portillo, sondern auch viele andere Rennen. Sie galt als grosse Favoritin für die Olympischen Spiele 1968 in Grenoble.

Im Weltsport aber kamen Gerüchte auf über sowjetische Leichtathletinnen, die womöglich keine Frauen seien. Weshalb das Internationale Olympische Komitee sogenannte Sextests anordnete. Bei Schinegger gab es eine erste Untersuchung, eine zweite, eine dritte. Es hiess, alles sei in Ordnung, nur die Tests seien nicht ganz eindeutig. Bald darauf wurde Schinegger in die Universitätsklinik von Innsbruck geführt. Und dann? Er sagt: «Dann begann der Wahnsinn!»

In Innsbruck sassen sie alle, die österreichischen Trainer, Verbandsfunktionäre, Ärzte. Ein vorgedrucktes A4-Papier sollte Schinegger unterzeichnen. Es war eine Rücktrittserklärung, aus persönlichen Gründen, wegen zu grossen Drucks. Die Weltmeisterin, ein Mann? Das konnte der Österreichische Skiverband (ÖSV) nicht zulassen. 14 Tage bezahlte Ferien in Nordafrika wurden ihr angeboten. «Sie meinten: Wenn jemand sterbe, rede man noch eine Woche von ihm. Bei mir würde es zwei Wochen dauern, bis alles vorbei sei.»

Unten herum frei wurde er in einen Lehrsaal gebracht – und fühlte sich wie eine ­Jahrmarktattraktion.

In ihrer Naivität unterschrieb Schinegger, ohne nachzufragen, ohne ein Dokument zu erhalten. Hormonbehandlungen wurden ihr angeboten, eine Busenkorrektur. «Sie wollten aus mir die zertifizierte Frau machen.» Ein Funktionär stellte eine Liste zusammen mit Unterschriften von Männern, die bestätigten, mit Schinegger in sexuellem Kontakt gestanden zu sein. Die Liste wurde in halb Österreich herumgereicht – «sie sollte beweisen, dass ich eine Frau bin».

Schinegger war gebrochen, willenlos, hatte Weinkrämpfe. Nicht einmal der Mutter durfte sie etwas erzählen, der ÖSV verbot es ihr. Dem Skiverband ging es einzig darum, die Goldmedaille nicht zu verlieren. Wie tief der Stachel in dieser Angelegenheit sitzt, zeigte sich 2005 bei der 100-Jahr-Feier des ÖSV, als die WM in Portillo kaum erwähnt wurde.

Noch heute redet sich Schinegger bei diesem Thema in Rage, und er hegt einen bösen Verdacht. Nach den ersten beiden Gender-Tests sollte Schinegger plötzlich mit den Männern trainieren, auf schlecht präparierter Piste, mit schwieriger Kurssetzung. Sie stürzte heftig, wie durch ein Wunder blieb sie unverletzt. «Ich will niemanden beschuldigen. Aber vielleicht war das alles inszeniert gewesen. Ich war sicher bereits als Mann entlarvt – man hätte mich elegant loswerden können.»

Der ÖSV will sich zu den Vorwürfen nicht äussern. «Die aktuelle Führung war damals nicht im Amt», sagt Medienchef Josef Schmid.

Weggesperrt im Kloster

Es gab Momente, in denen Schin­egger das Leben wegwerfen wollte. Einmal fuhr sie nach Innsbruck, die Strasse war vereist, aber Schinegger nahm den Fuss nicht vom Gas. Sie fuhr, bis es knallte. Den Lattenzaun eines Obstgartens durchbrach sie, blieb aber weitgehend unverletzt. Und verstand den Wink des Schicksals.

Einer half ihr, der Professor in der Männerabteilung der Innsbrucker Klinik. «Er sagte, dass es einen anderen Weg gäbe, einen ohne Alternative. Und so machte er aus mir einen richtigen Mann. Wonach ich mich insgeheim immer gesehnt hatte.» Viermal musste sich Schinegger operieren lassen, es gab Komplikationen, und die Schmerzen waren fürchterlich, vor allem während der ersten Erektion.

Behandelt wurde er in einem Sanatorium, das in ein Kloster integriert war. Auf ärztlichen Rat hin wurde er eingesperrt und komplett von der Öffentlichkeit abgeschottet, eine Nonne nahm sich seiner an. «Man stelle sich vor: Eine Ordensschwester zeigte mir, wie man sich einer Frau anzunähern hat.» Die Nonne gab Schinegger Halt in der Einsamkeit, er hatte sonst niemanden.

Dem Professor verdanke er vieles, sagt Schinegger, vielleicht sogar sein Leben. Aber er bezahlte einen hohen Preis. Der Mediziner verlangte, dass sich Schinegger zur Schau stellte. Mit einem Leintuch über dem Kopf und Rumpf, aber unten herum frei wurde Schinegger in einen Lehrsaal geführt. 200 Studenten waren da, Schinegger fühlte sich wie eine Jahrmarktattraktion. Und liess es über sich ergehen. «Ich betrachtete es als Tauschgeschäft: Er hilft mir, ich helfe ihm. Psychisch ging es mir danach noch schlechter.»

Vor Klammer, vor Schranz

Nach der Richtigstellung des Geschlechts befand sich Schinegger auf einer emotionalen Irrfahrt. Er kam an eine Kreuzung, wählte den Weg in die zweite Karriere. Als Erika war er mal zwei, mal drei Sekunden schneller gewesen als der Rest, er sollte es demnach auch mit dem starken Geschlecht aufnehmen können. Geld kriegte er nicht mehr, nicht von den Skifirmen, schon gar nicht vom Verband; er wurde zum Bettler, der höchstens geduldet war.

Nach einjähriger Pause lud ihn ein früherer Trainer zu Trainings ein. Schinegger fuhr schnelle Zeiten, war vor dem alten Schranz, vor dem jungen Klammer. Dieser Zeitung liegen Dokumente vor als Beweis, Ergebnislisten aber liess der ÖSV verschwinden. Später wurden Schineggers Zeiten gar nicht mehr gemessen. Die Herren befürchteten einen Imageschaden, zettelten einen Nervenkrieg an. Mal verschwanden Schin­eggers Skischuhe, mal wurde er zu Rennen geschickt, deren Absage wegen Schneemangels im Voraus klar gewesen war.

Während eines Abfahrtstrainings verirrte sich ein Tourist auf die Rennstrecke, Schinegger streifte ihn, überschlug sich mehrmals und fiel monatelang aus. Dennoch gewann er 1969 und 1970 dreimal im Europacup. Beim Triumph an den Kärntner Meisterschaften liess er den einstigen Wengen-Sieger Stefan Sodat hinter sich.
 
Erik Schinegger bei der neunten Stafffel von "Dancing Stars". Foto: Keystone

Die Presse feierte ihn, die Kollegen reagierten neidisch, der Verband  fuhr stärkeres Geschütz auf. Schinegger wurde die Kaderzugehörigkeit verweigert.

Nach einer Rennserie in Bulgarien gingen die Österreicher geschlossen in den Ausgang, bei Schinegger wurde daraus ein Tamtam gemacht – wegen unangebrachten Verhaltens durfte er in der Folge nicht mehr mit dem Team trainieren. «Viele sagten mir, dass ich Luft für sie sei.» Der angedachte Nationenwechsel zu Liechtenstein schien zu klappen, doch auch da griff der ÖSV ein: Hätte das Fürstentum Schinegger aufgenommen, wären die Liechtensteiner nicht mehr zu Trainings eingeladen worden.

«Über Nacht wurde ich von einer Heldin zu einem Typen, für den man sich genierte»Erik Schinegger, Weltmeisterin

Ermüdet vom steten Kampf, hörte Schinegger 1972 auf.

Ein ganz anderer Kampf sollte noch lange andauern. Einer, der am Tag nach der Heimkehr aus dem Spital begonnen hatte. Nicht einmal der Vater hatte gewusst, was in der Klinik geschehen war. Nun stand ein Sohn vor ihm, die Familie war überfordert, vor allem mit dem Medienrummel. Aber sie wandte sich nicht ab.

Anders die Jugendfreunde, die Schinegger fast alle verlor. Dabei hatte er versucht, die Umwelt behutsam auf sein neues Ich vorzubereiten. Er kaufte sich einen Knigge für männliches Benehmen, trug aber noch monatelang Frauenkleider. Einer Freundin vertraute er sich an, stiess auf Entsetzen und Ablehnung. Die Bekannte wollte ihn auf einmal nicht mehr kennen. «30 Jahre haben wir kein Wort mehr gewechselt.»

Der Coup als Velofahrer

Und so ergriff Schinegger die Flucht nach vorn. Heimische Medien gaben ihm keine Stimme, der ÖSV hatte offenbar Druck ausgeübt. Im Sommer 1968 machte die österreichische Radrundfahrt halt in der Gegend. Der Manager eines Schweizer Rennstalls bot dem guten Velofahrer die Aufnahme in die Equipe an. Eine Pressekonferenz wurde einberufen, Titel: Ein Weltmeister wird engagiert. Erwartet wurde Eddy Merckx, doch vom Pult redete Schinegger die Journalisten in Grund und Boden, ohne Angst, ohne Zögern. Er fühlte sich befreit, gewann Sympathien. Und der Rad-Manager hatte seine Aufmerksamkeit.

Aber es wurde nicht einfacher daheim in Agsdorf, wo Erika ein Grundstück geschenkt worden war und es Erik wieder entrissen wurde. Paparazzi aus Italien, Frankreich und Deutschland lauerten auf. Der Bürgermeister drehte sich weg, als er Schinegger wieder sah. Die Leute spotteten. «Über Nacht wurde ich von einer Heldin zu einem Typen, für den man sich genierte.»

Viele hielten ihn für einen Betrüger, weil er doch als Mann bei den Frauen siegte. Die Vorwürfe trafen ihn hart, und Schinegger trat die WM-Medaille der Zweiten Marielle Goitschel ab. Die Französin sendete sie ihm zurück, meinte, er habe ja nichts Unrechtes getan. Sie sagt: «Erik ist nicht Täter, sondern Opfer.»

Ein Macho, und wie!

Seine Männlichkeit hat Schinegger in übertriebener Form zur Schau gestellt. Er trug Mass­anzüge, fuhr im Porsche vor, hatte Affäre um Affäre. Nur eine Schönheit als Ehefrau vermochte seine Komplexe zu kompensieren. «Ich dachte: Mit einer hübschen Dame würden mich die Leute eher als Mann akzeptieren, und die schmerzhaften Andeutungen an mein früheres Ich verschwinden.» Erika, sein Alter Ego, verfolgte ihn lange – und beeinflusste seine Entscheidungen.

Schinegger lernte Renate kennen, sie verliebten sich rasch, heirateten bald. Mit Renate war er glücklich, doch der Kinderwunsch blieb vorerst unerfüllt. Schinegger war sich sicher, dass es an ihm liegen würde, die Meinungen im Dorf waren gemacht, aber es lag an den Eileitern der Frau, die chronisch verstopft waren. Später klappte es doch mit dem Nachwuchs, Tochter Claire war der ultimative Beweis seiner Männlichkeit. Längst erwachsen, beklagte sie sich, der Vater habe sie gern zur Schau gestellt. Renate litt derweil unter seiner Besessenheit, sich als Mann bestätigen zu müssen. Er sei nicht besonders feinfühlig gewesen, eher Typ Macho, sagt Schinegger.

Richards wegweisende Klage, Manuels sensationeller Sieg

Ihr Fall war wegweisend für die Rechte transsexueller Sportler: Renée Richards wurde 1934 als Richard Raskind geboren. Als Mann nahm er in den Fünfzigern an grossen Tennisturnieren teil, 1975 folgte die Geschlechtsumwandlung. Im Jahr darauf wurde ihr die Teilnahme am US Open der Frauen verwehrt, 1977 stimmte der US Supreme Court ihrer viel beachteten Klage gegen den Ausschluss zu. Sie kam bis auf Platz 20 der Weltrangliste.

Golferin Mianne Bagger wurde 1966 als Mann geboren, mit 29 liess sie sich zur Frau umoperieren. 2004 nahm sie am Australian Open teil, als erste Transsexuelle in der Geschichte bestritt die in Dänemark geborene Australierin ein Profi-Golfturnier. Ebenfalls zur Frau umwandeln liess sich Michelle Dumaresq. 2003 und 2004 wurde sie kanadische Meisterin im Mountainbike.

Als Frau zur Welt kam Boxer Patricio Manuel. Noch als Patricia nahm sie an der Qualifikation zu den Olympischen Spielen in London teil, war mehrfache amerikanische Amateur-Meisterin. Bei den Männern gab Manuel im Vorjahr sein Profidebüt im Superfedergewicht (unter 59 Kilo) – und gewann den ersten Kampf knapp sensationell nach Punkten.

Für den Ironman auf Hawaii qualifizierte sich 2009 Triathletin Nicole Schnass mit einem Erfolg bei einem Rennen in Spanien. Noch bis 2006 hatte die Deutsche – weit weniger erfolgreich – als Mann an Wettkämpfen teilgenommen. Männlichen Geschlechts zur Welt kam Johnny Saelua. Mittlerweile nennt sie sich Jaiyah, lebt als Frau, spielte aber noch vor kurzem in der Männer-Nationalmannschaft von Fussballzwerg Samoa. (phr)

Die Ehe ging in die Brüche, nach 17 Jahren. Geblieben ist Schinegger seine Skischule, 50 Lehrer beschäftigt er. Er führte Restaurants, eine Diskothek. Die Pension brannte vor zwei Jahren ab. Noch immer lebt er im Weiler Agsdorf, einen Steinwurf entfernt vom Elternhaus. Er ist integriert im Dorf, wobei nach wie vor getuschelt wird. «Die Gemeinde verdankt mir seit einem halben Jahrhundert ihre Berühmtheit. Anständig mit mir umgegangen wird aber erst wieder seit einigen Jahren.» Es ist schwer nachvollziehbar, weshalb er nicht irgendwo neu angefangen hat.

Erika ist nicht gestorben

Einige nennen ihn «einen mediengeilen Prahlhans», weil sich Schinegger gern in Pose wirft. Es ist seine Art, mit der Vergangenheit aufzuräumen. Zwei Filme sind über ihn gedreht worden, zwei Bücher hat er schreiben lassen, das eine ist sogar in Frankreich 10000-mal verkauft worden. Und er wirkte bei der österreichischen Version von «Dancing Stars» mit. Er geniesst die Aufmerksamkeit, verliert sich in seinen Monologen. Und so erstaunt es, hat er seine Geschichte ausgerechnet mit der Tochter nie aufgearbeitet. Sie ist ihm ausgewichen, er hat nicht insistiert.

Schinegger hält Vorträge, er schlägt Brücken, wenn es um Themen wie Intersexualität und Geschlechtsumwandlung geht. Natürlich werde nicht mehr alles tabuisiert wie vor 40, 50 Jahren. «Und doch merke ich, wie viele Leute auf mein Beispiel noch immer peinlich berührt reagieren.» Er kriegt Zuschriften von Leuten, die nicht eins sind mit sich und ihrem Körper. Er rät ihnen, sich nicht mit dem Leben am Rand der Gesellschaft zu arrangieren. Betroffene sollten professionelle Hilfe holen, weil diese selbst die engste Bezugsperson kaum bieten könne. Bei Schinegger war es die Mutter, die etwas geahnt haben dürfte, und doch nichts unternahm. Aus Angst vielleicht, aus Scham.

Erik Schinegger ist 71, gesund, glücklich, geerdet. Nach dem WM-Titel stürzte sich die Männerwelt auf Erika. Der Sohn eines Grossbauern bezirzte sie, machte ihr einen Heiratsantrag. Was, wenn sie Ja gesagt hätte?

Auf zwei Etagen lebt Schinegger heute mit seiner zweiten Frau Christa, die an multipler Sklerose erkrankt ist. Im Haus hängen über tausend Bilder. Fotoalben liegen auf, es wimmelt von Dokumenten und Briefen, von Pokalen und Medaillen. Es ist Schineggers Museum des eigenen Lebens.

Im Keller hängen zwei Porträts, links die 17-jährige Erika, rechts der 20-jährige Erik. Sich völlig fremd und doch so nah. Schinegger erkennt sich in beiden Aufnahmen. Er sagt: «Erika ist für mich nicht gestorben.»

Erstellt: 27.12.2019, 18:56 Uhr

 

oder als...



Übersetzt im Google-Translater und nicht korrigiert....

(Link zur Webseite:)

Der nie endende TUEstag

TUE = THERAPEUTIC USE EXEMPTIONS ( "Medizinische Ausnahmegenehmigungen")

DIENSTAG, 27. SEPTEMBER 2016

Es wird zur unendlichen Geschichte. Was eine schnelle medizinische Angelegenheit hätte sein können, wird zu einer ethischen Sage, die jetzt in den britischen Medien verbreitet wird. Die durchgesickerte Enthüllung, dass Bradley Wiggins Cortison am Vorabend von Hauptrassen injiziert hat, zeigt eine Grauzone, in der private medizinische Bedürfnisse eine Geschichte des Steroidmissbrauchs im Sport treffen. Diese Angelegenheit hätte geklärt werden müssen, rumpelt aber weiter.

Zur Erinnerung daran, dass eine Hacker-Gruppe namens Fancy Bears die vertraulichen Ausnahmegenehmigungen für Therapeutische Zwecke (TUE) veröffentlicht hat, wird behauptet, dass es sich um eine Ablenkungs-Taktik im Zuge des weitverbreiteten Dopingprogramms in Russland handelt, das in der WADA veröffentlicht wurde McLaren-Bericht . Unter den durchgesickerten TUEs waren einige für Bradley Wiggins und es zeigte sich, dass ihm die Erlaubnis gegeben worden war, Triamcinolon zu injizieren, oft besser bekannt als Kenacort.

Kenacort läutet Alarmglocken. Diese und andere kortisonbezogene Arzneimittel wirken entzündungshemmend, haben aber eine leistungssteigernde Wirkung. Es ist seit Jahrzehnten die Wahl von Dopern: Bernard Thevenet sagte, dass er es auf seinem Weg zum Gewinn der Tour de France zweimal in den 1970er Jahren verwendet hatte, Laurent Fignon gab zu, es in den 1980er Jahren zu verwenden, sollte Lance Armstrong verboten worden sein In den 1990er Jahren verwendete der verstorbene Philippe Gaumont diesen Begriff in den 2000er Jahren und im CIRC-Bericht der UCI wurde er in diesem Jahrzehnt zitiert. Der Punkt hier ist nicht, Benutzer zu benennen, sondern zu zeigen, wie weit es zurückgeht und für jeden zitierten Namen waren es sicher Hunderte von zeitgenössischen Kenacort-Konsumenten. Unser Ausgangspunkt mit dieser Substanz hat mehr Gepäck als die Samsonite-Fabrik.

Seitdem haben die durchgesickerten TUE Wiggins und Sky Aufholjagd gespielt. Gestern hat Dave Brailsford eine Reihe von Medienauftritten in verschiedenen britischen Sendern gemacht, um die verfahrenstechnische Botschaft zu vermitteln: Wiggins hat Asthma> eine Behandlung wurde von Medizinern genehmigt> die UCI gab den Papierkram heraus> daher war alles in Ordnung.

Wenn wir denken, dass wir irgendetwas tun können, um der Gesundheit unserer Fahrer zu helfen, innerhalb der Regeln, und es ist legitim " 
- Dave Brailsford, The Telegraph 26. September 2016

Die Vorgehensweise "es war innerhalb der Regeln" ist in Ordnung, was kann schließlich besser sein, als sich an die Regeln zu halten? Dennoch gibt es hier Fragen, zum Beispiel warum Wiggins 2011 TUE im Juni stattfand, als seine Untersuchung durch einen Asthma-Spezialisten im Juli stattfand (zB: hat die UCI den Papierkram unter der Annahme abgesegnet, dass das Screening des Arztes eine Formalität wäre?) Und mehr .

Nur die Einhaltung der Regeln ist manchmal notwendig, aber nicht ausreichend. Wie wir zum Beispiel bei der Steuerplanung von multinationalen Konzernen sehen können, kann die Einhaltung der Regeln davon abweichen, ob man das Richtige tut oder die öffentliche Meinung erfüllt, indem man sieht, dass man das Richtige tut. Nachdem alle Team Sky ein Sportteam sind, das geschaffen wurde, um ihre Muttergesellschaft gut aussehen zu lassen, sagte das Team von Anfang an, es wolle nicht nur sauber fahren, sondern es auch demonstrieren:

"Der ganze Sinn unseres Teams besteht darin, zu beweisen, dass es möglich ist, sauber zu radeln und auf höchstem Niveau zu konkurrieren"
- Dave Brailsford, The Guardian, 2011

Diese Art von Ideal führt uns über das Verfahren und das Papierpfad-Audit hinaus, um eine TUE zu erhalten. Wenn es eine klare medizinische Rechtfertigung gäbe, dann würde das, was Sky und Wiggins getan haben sollten, demonstrieren, was sie dazu brachte, zuzustimmen, dass Kenacort am Vorabend einiger großer Rassen genommen werden musste; und möglicherweise, warum sie sich gegen seine Verwendung zu anderen Zeiten des Jahres oder in verschiedenen Jahreszeiten entschieden haben. Eine phantasievolle Nachfrage? Nicht wirklich, Wiggins 'britischer Bahnradfahrer Callum Skinner hat gerade seine medizinischen Aufzeichnungen veröffentlicht. Sich an die Verfahrensverteidigung zu halten, ist verständlich, aber diese Geschichte ist zu einer ethischen Geschichte geworden.

Tramadol Präzedenzfall
Wir waren schon einmal mit Team Sky zusammen, als Michael Barry in seiner Autobiographie schrieb, dass er Tramadol, ein starkes Opioid-Schmerzmittel, verwendete. Das war peinlich für Sky und sie gaben eine Pressemitteilung heraus, dass sie es nicht benutzten ... aber zwischen den Zeilen, der Grammatik und der Zeitform der Aussage zählte Sky nicht mehr, aber das implizite Eingeständnis war, dass sie es getan hatten Vor. Tramadol könnte Warnungen mitbringen, nicht zu fahren oder Maschinen zu bedienen, so dass seine Verwendung in einem Radrennen auf diesem Niveau falsch erscheint, ganz zu schweigen von der Idee, dass wenn ein Athlet solche Schmerzen hat, dass er ein starkes Schmerzmittel braucht, um zu treten wahrscheinlich eher ruhen als rennen. Aber da es keine verbotene Substanz ist, ist es innerhalb der Regeln. Dies wird jedoch nicht im Wettbewerb genutzt.

Ex-post- Transparenz

Ein weiterer "Wir waren schon einmal hier" -Aspekt ist der Blick auf das Team Sky, das erst dann transparent wird, wenn die Ereignisse aufholen. Dieses Mal versucht Brailsford TUEs öffentlich zu machen (wahrscheinlich eine schlechte Idee, aber das ist eine Debatte für einen anderen Tag). Aber oft ist es peinlich, dass das Versprechen der zukünftigen Transparenz kommt, seien es TUEs, Power-Daten oder "native" biometrische Daten.

Fazit
Innerhalb der Regeln? Ja, aber nur, wenn Sie den klinischen Bedarf nachweisen können. Wiggins hat den Papierkram von Medizinern und der UCI, wie Brailsford gestern darauf hinweisen wollte. Das ist die prozedurale Box, aber die Geschichte geht nicht weg, da die Leute sich fragen, ob es richtig war. Sicherlich ist der Fall der präventiven intramuskulären Injektion mit Kenacort am Vorabend eines großen Wettbewerbs jederzeit für eine Überprüfung offen und läutet Alarmglocken, da so viele Radfahrer die Regeln mit dieser Substanz zu ihrem Vorteil aussortiert haben; speziell in Wiggins 'Fall lesen wir in seiner Autobiographie, dass er nie Injektionen genommen hatte, nur um das Gegenteil zu beweisen und eine Klärung durch sein PR-Entourage erforderte. Die langsame Reaktion und die Abhängigkeit von der Verfahrensfrage - "die UCI hat es geklärt" - lösen das Problem nicht. Der lässige Zuschauer - nicht der Pro-Rad-Blog-Leser - wird Sky und Wiggins anschauen und denken, dass sie sich nicht von anderen Teams und Tour-Gewinnern unterscheiden, Athleten mit ihren eigenen Skandalen. Das ist vermutlich genau das, was die Fancy Bears wollten. 

Vielen Dank für ihr Interesse!

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